Grillen auf dem Balkon

Heute mal ein kurzer Ausflug in die Welt der Vorschriften und Regelungen.

Das “freie” Grillen auf dem Balkon ist in Deutschland eine problematische Angelegenheit. Wir müssen uns dabei weniger darum kümmern, ob ausreichend Platz ist und sich keiner am heißen Grill verbrennen kann, ob die Getränke auch nicht in der Sonne stehen, oder die Würstchen auch schön appetitlich braun-gestreift werden.

Nein, der erste Gedanke muß den Nachbarn gelten: Nach einer Entscheidung des GrillenBayerischen Obersten Landesgerichtes muß sichergestellt sein, dass  und Essensgerüche nur in zumutbarem Umfang und Holzkohlenschwaden überhaupt nicht in die Wohnräume des Nachbarn hineinziehen (was ein Verstoß gegen das Landesimmissionschutzgesetz mit Bußgeldern bis 500 Euro wäre). Interessanter Weise sorgen ja gerade die Dunst-Abzugshauben in der Küche, von denen viele nicht nur filtern, sondern die Abluft nach Außen leiten, für eine extrem hohe Konzentration diverser Essensgerüche – für die es aber scheinbar keine gerichtliche Regelung gibt.

Der Geruch der brennenden Holzkohle macht das Ganze schon problematischer: Es ist kaum zu vermeiden, dass der typische Brandgeruch entsteht, von dem der Nachbar aber ebenfalls nichts merken darf. Das bedeutet an sich, dass auf einen Elektrogrill auszuweichen ist, um überhaupt auf den Balkon grillen zu dürfen.

Nach einer Entscheidung des Amtsgerichts Essen kann das Grillen auf dem Balkon eines Mehrfamilienhauses durch eine Regelung im Mietvertrag verboten werden. Halten sich Mieter nicht an das mietvertragliche Verbot, sondern grillen trotz Abmahnungen weiter, droht ihnen sogar die fristlose Kündigung. Übrigens ist ein Grill-Verbot, das in der Hausordnung beschrieben ist ebenso gültig und rechtlich (leider) einwandfrei, wenn im Mietvertrag auf  die “jeweils gültige” Hausordnung verwiesen ist, deren Regelungen einzuhalten sind.

Dabei spielt es nach der Ansicht des Amtsgerichtes Essen auch keine Rolle, ob mit Holzkohlegrill oder Elektrogrill auf dem Balkon eines Mehrfamilienhauses gegrillt wird. Rauch und Geruch seien grundsätzlich geeignet, die übrigen Mitmieter zu belästigen.

Die meisten Gerichte sind aber relativ nachsichtig – vermutlich lassen sich die Entscheider auch gern zu einem netten Grillabend hinreißen – und entschieden bisher überwiegend, dass Grillen auf dem Balkon oder auf der Terrasse möglich ist, soweit Nachbarn nicht durch Qualm- und Rauchentwicklungen belästigt werden.

Nach einem Urteil des Bonner Amtsgerichtes müssen ihre Nachbarn jedoch 48 Stunden vorher informiert werden – sicherlich in vielen Gegenden Deutschlands angesichts des wenig stabilen Wetters ein kleines Problem. Das Landgericht Stuttgart schränkt zusätzlich die Dauer des Grillens auf zwei Stunden – insgesamt aber nur sechs Stunden im Jahr – ein.

Aber damit nicht genug. Auch die Häufigkeit wird immer wieder vor den Gerichten diskutiert. Je nach Gerichtsentscheidung wird von drei bis sechs Mal Grillen im Jahr als Vertretbar ausgegangen – unabhängig davon, ob dies das Grillen auf dem Balkon oder der Terrasse betrifft.

Also: am Besten alle Nachbarn einladen, oder zumindest vorher freundlich darüber informieren, dann kann die Grillparty stattfinden – aber unbedingt darauf achten, dass um 22:00 Uhr Schluss ist, denn dann ist Nachtruhe. Wer die nicht einhält und sich andere belästigt fühlen, dann geht es nicht mehr um das Grillen, sondern um Ruhestörung, die natürlich ebenfalls zu Geldbußen führen kann …

Guten Appetit und viel Spaß beim Grillen.

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