Gesundheitskarte – Kranke Karte

Erfreulicher Weise äußert sich die Ärzteschaft auf dem 111. deutschen Ärztetag sehr kritisch zu dem Gesundheits-Karten-Konzept – die Patienten, um die es ja eigentlich geht, und die das ganze wohl finanzieren müssen, werden ja nicht einmal zu dem Thema gefragt.

An sich gibt es, nach dem , was von dem Gesamtkonzept an die Öffentlichkeit gelangt, eigentlich 2 große Problempunkte:

GesundheitskarteDie zentrale Speicherung solch brisanter Daten: Wenn man zur Zeit die Presse verfolgt, welche riesengroße Löcher in der Datensicherheit weltweit existieren und immer größer gerissen werden, möchte ich meine Daten eigentlich nicht in die zentrale Verwaltung geben. Natürlich könnte auch mein Arzt Daten weiter geben, aber wenn ich das vermute, kann ich mir im Zweifel einen anderen suchen, dem ich mehr Vertrauen schenken kann. Auch ein Einbruch in die Praxis wäre zwar für mich persönlich und die übrigen Patienten des Arztes unangenehm, aber nicht gleich für Millionen Patienten.

Das PIN-System: Zum Einen ist, wie alle Banken bestätigen werden, das System mit der PIN zwar praktisch, aber wirklich sicher ist es nicht. Der Faktor “Mensch” bringt eine Unsicherheit hinzu, die nicht, wie man eventuell erwarten könnte, nur die älteren Menschen betrifft, die sich die PIN notieren müssen oder einfach gedankenloser mit der Geheimzahl umgehen. Auch junge Menschen werden ausspioniert und die Kartendaten werden automatisiert ausgelesen. Wenn dann noch Ärzte “Treuhänder” für die PIN werden sollen wird die PIN mit Sicherheit schriftlich dokumentiert und das kann nur zu Problemen führen.

Nebenbei gibt es dann noch andere “Kleinigkeiten”. Wenn zum Beispiel der Arzt die Daten abrufen möchte, so wird dafür vermutlich das Internet als Netzwerk genutzt werden. Wenn aber parallel Diskussionen laufen, eine Deep Package Inspection durch die Provider nicht nur zuzulassen, sondern auch zu fordern, sind solche Datentransfers alles andere als sicher.

Nett wird es, wenn zur Finanzierung der hohen Kosten Unternehmen als Sponsoren hinzu kommen. Ohne bösartige Unterstellungen zu verbreiten wird wohl kein Unternehmen uneigennützig finanzielle Mittel bereit stellen, sondern vielleicht – selbstverständlich anonymisierte – Auswertungen dieser extrem vollständigen Datensammlung als Gegenwert erhalten. Und schon erhalten wir als zusätzlichen Service von europäischen Unternehmen die besten Angebote der von uns am häufigsten gekauften Medikamente – natürlich auf unseren persönlichen Bedarf zugeschnitten.

Nein: Finger weg von der Gesundheitskarte. Es muss nicht immer alles zentral gespeichert werden und es geht auch niemanden etwas an, wer welche Krankheiten hat.

 

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