Schweden: Landesweite Abhörmaßnahmen (2)

Nach der Veröffentlichung der Details zu dem neue schwedischen Abhörgesetz, dass eine Kontrolle sämtlichen grenzüberschreitenden Datenverkehrs (Telefon, Internet) vorsieht, wird der öffentliche Druck sehr stark:

Die Chefs der acht führenden Mobilfunkanbieter veröffentlichten heute einen Brief gegen das Recht der Behörden, alle Auslandstelefonate abzuhören und dir über ausländische Server versendeten eMails mitzulesen. In diesem Brief wurde auch erwähnt, dass sich sogar der Google-Konzern dazu entschließen könne, Schweden zu verlassen.
Bei den Abgeordneten des Stockholmer Reichstages sind seit Mitte Juni mehr als sechs Millionen Protestmails eingegangen.

Hinzu kommt nun, dass Dagens Nyheter berichtet, dass Sicherheit nicht unbedingt der Hauptgrund für diese Komplett-Überwachung sei: Tatsächlich wäre es eher eine kommerzielle Spionageaktivitäten die den Datenverkehr von und nach Russland beträfen. Die Daten, die dadurch gesammelt würden sollen an an interessierte Partnerländer verkauft werden. Das Problem an der Sache ist aber, dass es durch diesen Verkauf von Daten russischer Herkunft (80 Prozent des russischen Datenverkehrs werde über Schweden geleitet) politische bzw. diplomatischen Verstimmungen zwischen Schweden und Russland entstehen würden.

Einen Kommentar gab es zu diesen Behauptungen seitens der staatlichen Abhörbehörde FRA (was böse an eine gewisse Staats-Sicherheits-Behörde erinnert…) nicht.
Allerdings wurde, von staatlicher Seite bestätigt, dass es “natürlich von Interesse, was in der Nachbarschaft geschieht” gäbe.

Nun verkauft der Staat also schon die Daten, die er so fleißig sammelt. Ich bin tatsächlich gespannt, wann die feineren Auswertungen erfolgen. Bald werden sich die Regierungen eine neue Einnahmequelle eröffnen und die Daten aller Bürger an Marketing-Unternehmen verkaufen – mit Update-Service natürlich. Wenn die Daten der elektronischen Gesundkeitskarte kombiniert mit den den biometrischen Daten des Ausweises, der Finanzämter, der Banken und den aus den Telefonaten und eMails ersichtlichen Gewohnheiten kombiniert werden, so wird man schöne Profile erstellen können, zu denen natürlich entsprechende Werbung per eMail, Post oder Telefon gut passt. Vielleicht bekommen wir so auch bald die geheimsten Wünsche unseres Chefs heraus und bei Bewerbungen brauchen wir nur noch unsere Ausweisnummer angeben – der Lebenslauf und alles andere sind ja bereits bekannt…

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