Abzocke: Mobiles Internet

Wer kennt das nicht: Die Anbieter werben mit ihrer Daten-Flatrate für das mobile Internet. Immer und überall soll man zum Einheitspreis in die Weiten des Internet eintauchen können – sich informieren, bei Musik- oder Video-Streams entspannen können.

Nun, klar geht das. Aber nur bis zum bösen Erwachen. So erging es einem Fernfahrer aus Schleswig-Holstein mit seiner O2 Daten-Flatrate für 25 Euro, weil er nicht erwartet hatte, dass diese tarifliche Flatrate vielleicht nur im Inland, nicht aber  im Ausland Gültigkeit hat. Er nutzte sein Notebook in unserem Nachbarland Frankreich – immerhin 13 Stunden lang.
Sein Erwachen bestand in einer Rechnung für den französischen Provider, die er bezahlen soll: 51.000 Euro !

Nun befasst sich das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland mit diesem Fall. “Dass mit der Pauschale von knapp 25 Euro nur die Verbindungen im Inland abgegolten seien und er die Nutzung im Ausland zusätzlich bezahlen müsse, sei dem Mann nicht bewusst gewesen”, sagte der Leiter des Zentrums, Bernd Krieger.

Und dass es neben den viel beworbenen Flatrates dann auch noch Tarife gibt, bei denen eine Minute Online-Zeit sage und schreibe 60 Euro kosten, darauf wären wohl sehr viele nicht einmal im Traume gekommen.

“Skandalös hoch” sei eine solche Gebühr sagte Krieger. Ein solcher Preis steht in keinem Verhältnis zu der erbrachten Leistung. Nun versucht das Verbraucherzentrum gemeinsam mit dem französischen Pendant den Fernfahrer zu unterstützen. Hierfür werde auch die EU-Kommissarin Viviane Reding eingeschaltet, die für Informationstechnik zuständig ist. Aus rein rechtlicher Sicht ist die Forderung von 51.000 Euro wohl gerechtfertigt. Der Vorteil einer solchen Rechnung ist allerdings, dass das Nutzungsentgeld so hoch ist, dass O2 dem Kunden bereits rund 13.000 Euro Rabatt eingeräumt hat, so dass er nur noch gute 46.000 Euro zahlen muss.

Allein, dass die Anbieter das Auflaufen eines so hohen Rechnungsbetrages (an einem Tag!!) zulassen zeigt, dass nur ein einziges Interesse besteht: Die Kassen müssen gefüllt werden. Eine Verhältnismäßigkeit zwischen Leistung und Preis spielt dabei keine Rolle. Alle Lücken, die in der Regulierung bestehen müssen gnadenlos ausgenutzt werden – die Rechnung zahlt ja jemand anderes. Welch Glück wenn es dann auch noch Privatleute trifft, die sich dann eher Gedanken darum machen müssen, wie sie lebenslänglich diesen Betrag abzahlen und weniger daran, welcher Anwalt diesen Abzockern erfolgreich die Grenzen aufzeigen könnte.

Es ist wirklich erschreckend, wie wenig den Unternehmen die Zufriedenheit ihrer Kunden wert ist. Aufklärung ja, aber nur dann, wenn es darum geht, neue Kunden einzufangen. Danach zählt nur noch die Höhe der Rechnung.

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