Blaupunkt – eine Ära geht zu Ende

Die Geschichte von Blaupunkt reicht ins Jahr 1923 zurück. In den 20er Jahren trug Blaupunkt noch einen anderen Namen. 1923, als in Deutschland der Rundfunk seine ersten Töne von sich gab, wurde in Berlin die Firma “Ideal” gegründet. Sie stellte

zunächst Kopfhörer her. Jedes einzelne Stück wurde von Technikern sorgfältig geprüft und mit einem Qualitätssymbol gekennzeichnet – dem blauen Punkt. Es dauerte nicht lange, bis die Käufer einfach nach den Blaupunkt-Kopfhörern mit dem blauen Punkt fragten. So steht der blaue Punkt vor allem für technische Kompetenz bei Multimedia-Techniken auf Rädern.
Dieses Symbol wurde bei den Verbrauchern so bekannt, dass man es 1938 zum Firmennamen machte. Blaupunkt ist ein Beispiel, dass Name und Markenzeiten identisch sein können.
Die Blaupunkt GmbH, eine im niedersächsischen Hildesheim ansässige Bosch-Tochtergesellschaft, wurde einer der führenden Anbieter von Autoradios,Autolautsprechern, Fahrzeug-Antennen und Navigationssystemen in Europa.
Sie produziert jährlich rund fünf Millionen Autoradiogeräte, 17 Millionen Autolautsprecher sowie rund 500.000 Navigationssysteme und beschäftigt weltweit mehr als 8.000 Mitarbeiter, davon gut 2.300 in Deutschland. Seit 1932, als das erste Modell die Fabrik verließ hat das Unternehmen inzwischen mehr als125 Millionen Autoradiosysteme und über drei Millionen Fahrzeug Navigationssysteme verkauft.
Als Tochterunternehmen der Bosch-Gruppe (seit 1933) mit 7.000 Mitarbeitern weltweit spielte Blaupunkt eine Hauptrolle bei der Auto-Stereo-Technologie, die bei Mobiltelefonen, Verkehrsfunk und sprachgesteuerten globalenPositionierungssystemen zum Einsatz kommt. Wichtig ist diese Technologie ausserdem für die Navigationssysteme, in denen digitale Verkehrsmeldungen verarbeitet werden und automatisch die optimale Fahrstrecke berechnet wird.

Doch nun ändert sich Alles:

Der weltweit größte Autozulieferer Bosch gibt die Traditionsmarke Blaupunkt auf. Blaupunkt wurde von dem Münchner Finanzinvestor Aurelius übernommen. Blaupunkt setzt etwa 200 Millionen Euro um und hatte Bosch zuletzt nach Angaben aus Branchenkreisen etwa 15 bis 20Millionen Euro Verlust eingebracht. Um dasdefizitäre Geschäft in der beginnenden Rezession loszuwerden, hat Bosch dem Vernehmen nach sogar noch einen erheblichen Geldbetrag draufgelegt. Offiziell wurde über den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart.

Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius ist auf Sanierungsfälle spezialisiert und wurde z.B. durch den Kauf des Schnapsbrenners Berentzen, der RTL Shops und der Bekleidungskette Pohland bekannt. Aurelius übernimmt von Bosch etwa 1800 Mitarbeiter, davon 300 in der Zentrale in Hildesheim. “Das Kerngeschäft ist ein Sanierungsfall, aber Blaupunkt ist eine starke Marke, aus der wir mehr machen wollen”, sagte Aurelius-Chef Dirk Markus der Süddeutschen Zeitung. Denkbar sei beispielsweise, die Marke an andere Hersteller zu lizensieren.

Die Eckpunkte der Geschichte von Blaupunkt im Überblick

1923 Gründung der Ideal Radio Telephon- und Apparatefabrik GmbH, Bollersdorf (Kreis Oberbarnim)
Dezember 1926 Idealwerke Gesellschaft für drahtlose Telephonie mbH
Ende 1927 Umwandlung in Ideal Werke AG, kurz darauf Umzug nach Berlin
1932 Blaupunkt stellt das erste deutsche Autoradio vor, welches komplett aus dem Bordnetz des jeweiligen Autos gespeist wird. Die Anodenspannung wird mit einem eigenen Generator erzeugt. In diesem Jahr entsteht auch das Markenzeichen “Der blaue Punkt”
1933 Übernahme durch die Robert Bosch GmbH
1936 Hauptsitz im Werk Berlin – Wilmersdorf
Dezember 1938 Blaupunkt – Werke GmbH
1944 Das Werk wird fast vollständig durch Bombenangriffe zerstört
1949 Die Produktion hat wieder den Stand vor dem Krieg erreicht
1955 Blaupunkt ist führender Hersteller von Autoradios in Europa Die Geräte werden entsprechend den verschiedenen Automarken hergestellt. Ein Einheitsgehäuse, wie dies heute üblich ist, existiert noch nicht.
1972 Die letzten Tischradios werden produziert, bis 1974 noch im ehemaligen Akkord – Werk Lindau
1980 Das HiFi-System “Tuner XT240” ist das letzte, bei Blaupunkt gefertigte Heimgerät. Hergestellt wurde es im Südfunkwerk Waiblingen bei Stuttgart

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