Lidl ist alles – auch kriminell …

Soviel Dreistigkeit ist einfach unfassbar: Im September wurde eine Strafe von 1,5 Mio. Euro wegen der Spitzelaffaire, die vor einem Jahr enthüllt wurde, verhängt, also eindeutig das Signal an das Lidl-Management gegeben, dass solche Aktivitäten nicht dem deutschen Recht entsprechen.

Aber eine Wirkung hatte diese lächerliche Sanktion nicht, denn jetzt wird Lidl zum kriminellen Wiederholungstäter:

Nun wurden in Hamburg Unterlagen über hunderte von Mitarbeitern gefunden, die genauestens über die Erkrankungen dieser Angestellten Auskunft geben. Die Einträge, die von Kommentaren zu Grippeerkrankungen, Rückenleiden und Operationen über psychologische Behandlungen bis hin zu Informationen über künstliche Befruchtungen und deren Erfolg gehen, stammen eindeutig aus der Zeit nach der Strafverhängung.

Außerdem ist diesen Dokumenten zu entnehmen, ddatenschutz, ass diese Informationen für das monatliche Vertriebsleiterbesprechung erhoben werden, was darauf deuten, dass diese Informationen unternehmensweit gesammelt werden. Damit nicht genug: Als Maßnahmen gegen diese Erkrankungen sind sogar die Kündigungstermine aus einigen Dokumenten ersichtlich. Natürlich wurde das ganze nicht anonymisiert dokumentiert, sondern mit Namen, Personalnummern und Überstundenkonten.

Insgesamt erstreckt sich allein dieser Fund über mehr als 600 Verkäuferinnen und Verkäufer. Zusätzlich sind Kündigungsschreiben von Mitarbeitern, Personalstammblätter mit Adresse, Telefonnummer und dem Gehalt einzelner Lidl-Kräfte, außerdem Aufhebungsverträge, Arbeitzeugnisse, Spesenabrechnungen und Kopien von Sozialversicherungsausweisen in der Dokumentation enthalten.

Neben den Einzelblättern über die Krankheitsgründe ist zusätzlich eine Namensliste von mehreren Dutzend krank gemeldeten Mitarbeitern dabei. Eine andere Liste gibt Auskunft über Minijobber, die im Januar über der Gehaltsgrenze lagen. Eine weitere Liste – und die könnte eventuell auch mal Lidl tatsächlich ärgern – weist die genauen Tages- und Wochenumsätze von 90 Lidl-Filialen aus (die sollte man ruhig mal veröffentlichen, damit die Lidl und die Konkurrenz endlich zu spüren bekommen, dass der Datenschutz eine ernst zu nehmende Angelegenheit ist).

Alles in allem werden die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter bei diesem Lidl-Skandal tiefer verletzt als bei den bisherigen Vorkommnissen. Zusätzlich sollte geprüft werden, ob Verletzungen des Kündigungsschutzes im Krankheitsfalle vorliegen.

Eine Strafe, die mehr als wahrscheinlich erscheint, sollte dieses Mal, besonders weil es sich um einen Wiederholungsfall handelt, tatsächlich schmerzhaft für das Unternehmen werden: eine dreistellige Millionensumme sollte als Strafe für solche Vergehen bei einem Konzern mit einem Umsatz in Milliardenhöhe schon anwendbar sein. Zusätzlich sollten alle (!!) Unternehmen der Schwarz-Stiftung richterlich angeordnet penibel durchsucht und überprüft werden, weil anzunehmen ist, dass die Schwarz-Stiftung ein solchen Verhalten zumindest toleriert.

Es muss richtig weh tun! Es muss so weh tun, dass die Schwarz-Stiftung das komplette Management austauschen muss, um wenigstens einen Sündenbock zu haben und dann eine neue Aera zu beginnen.

Hallo Datenschutz, hallo Politiker, hallo Bundesgerichtshof: nun dürft ihr die Keulen in die Hand nehmen: Lidl bittet regelrecht um Bestrafung.

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