Daimler als Datensammler

Nun gerät auch Daimler in die Schlagzeilen, nachdem Radio Bremen eine CD-ROM erhalten hat, aus der klar hervorgeht, dass mindestens eine Abteilung mit mehr als hundert Beschäftigten illegal Krankendaten von Mitarbeitern erfasst und in Ordnern angelegt hat. Aus diesen Akten seien die Krankheitsdauer und ren Ursachen ersichtlich und problemlos dem jeweiligen Mitarbeiter zuzuordnen.
Daimler reagierte prompt und erklärte, dass es sich um einen bereits aufgeklärten “Einzelfall” aus dem Bereich Werkssicherheit aus dem April 2008 handeln würde. Der Fall werde “unverzüglich und konsequent aufgeklärt”. Außerdem seien die Daten bereits gelöscht worden. Eine Ermahnung einiger Führungskräfte sei bereits im Frühjahr des vergangenen Jahres erfolgt, da das führen privater Krankenakten verboten sei. So berichtete der Spiegel – da nun wieder derartige Akten aufgetaucht sind, scheint diese Ermahnung nicht gerade einen nachhaltigen Effekt zu haben …

… was im übrigen auch für Daimler selbst gilt, denn nach einem Einzelfall sieht das bei Daimler nicht wirklich aus:  Anfang des Jahres erhielt Daimler auch schon eine offizielle Rüge durch das für den Datenschutz zuständige Stuttgarter Innenministeriums. Der Grund war die Dokumentation und Sammlung von persönlichen Daten der Beschäftigten mit häufigen Fehlzeiten. Außerdem haben Diskussionen über Krankheitsfälle und ihre Ursachen stattgefunden, an denen teilweise Vertretern der Personalabteilung, des Betriebsrates, Führungskräften und dem Werksarzt teilgenommen haben. derartige Diskussionen über Ursachen von Krankheiten verletzen die Persönlichkeitsrechte und sind damit ebenfalls nicht erlaubt.

Interessant aber ist der Gewöhnungseffekt: Die Datenschutz-Verstöße häufen sich immer mehr und die Meldungen werden immer kürzer. Glück für die Unternehmen, bei denen es erst in einigen Wochen herauskommt, denn dann werden die Medien vielleicht überhaupt nicht mehr darüber berichten. Und die betroffenen Menschen? Denen bleibt eigentlich kaum etwas anderes übrig, als sich selbst damit zu beruhigen, dass es anderen auch schon so ergangen ist…

Dabei stellt sich mir unweigerlich die Frage, warum eigentlich Arbeitgeber daran interessiert sind, Krankenakten zu führen. Wenn die Dauer der Abwesenheiten durch Krankheit ausgewertet werden sollen, gibt es andere Möglichkeiten, als solche persönlichen Daten zu speichern. Natürlich bleibt diese Frage offen – ebenso wie die Fragen, welches Unternehmen das nächste sein wird und welche Art von gespeicherten Daten die nächsten Skandal-Wellen auslösen werden…

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