Streik in den KiTas

Es ist schon “interessant”:

Die einen müssen einschneidende Gehaltskürzungen, Schließtage, Arbeitszeitreduktionen und Kurzarbeit hinnehmen und die anderen gehen wegen zusätzlicher Vorteile (also nicht einmal dem Basis-Gehalt) auf die Straße und lassen damit die Eltern, die wegen der Gehaltseinbußen ein Doppeleinkommen benötigen die Folgen dieser Arbeitsniederlegung auslöffeln.

Nun wird wohl tatsächlich jedes Jahr in den KiTas gestreikt…

Das Ganze wäre vielleicht für die tatsächlich Betroffenen (und das sind überwiegend NICHT die Arbeitgeber der Erzieher/innen) noch zu ertragen, wenn die Aussagen von Ver.di stimmen würden:

“Um die Eltern auf Kita-Schließungen vorzubereiten, seien in den vergangenen Tagen Elternbriefe verteilt worden, in denen ver.di auf die Streiks hingewiesen und die Eltern gebeten habe, in ihren Einrichtungen zu erfragen, ob und wann es zu Schließungen kommen würde, so Meerkamp.” schreibt Ver.di auf der Info-Seite, die seit gestern existiert.
Falsch: keine Info und keine freundliche Bitte. Meine Familie und ich, als selbst Betroffene können dies konkret sagen.  OK, mit dem Glück, am heutigen Freitag noch nicht zu den Betroffenen zu gehören, “freuen wir uns auf umfassende Informationen”, aber in den vergangenen Jahren waren diese Infos auch so spärlich und viel zu kurzfristig, so dass es nicht möglich war, einen Betreuungsersatz zu finden – aber das ist sicher nur bei uns am Ort der Fall … alle anderen KiTas in Deutschland informieren sicher viiiiiel früher.

„Die Eltern zeigen großes Verständnis für die Forderungen unserer Kolleginnen und Kollegen.” schreibt Ver.di weiter.
Ja, natürlich hat sicher jeder Verständnis für diese Forderungen, aber das bedeutet noch lange nicht, dass die Eltern der betreuten Kinder, noch die Arbeitgeber dieser Eltern Verständnis für die Maßnahmen zur Erzwingung der Erfüllung dieser Forderungen haben – und da ist eher das Gegenteil zu vermuten. Aber leider kann Ver.di die Aussage über das Verständnis nicht mit Zahlen oder vielleicht Unterschriftenaktionen bekräftigen und daher könnte man vermuten, dass es sich nur um eine Aussage handelt, die allen, die nicht wirklich begeistert davon sind, ein schlechtes Gewissen bekommen sollen und den Mund halten.

Mal nüchtern betrachtet: Nie war es für Arbeitgeber einfacher, begründete betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen. Viele versuchen, andere Maßnahmen wie die Arbeitszeit- und Gehaltskürzungen zu nutzen, um wenigstens die Arbeitsplätze zu sichern, aber wir können nicht wissen, wie lange das noch gut geht. Streiks und Forderungen nach besseren Bedingungen oder Gehältern können zwar zum Ziel führen, aber die Anzahl der Angestellten, die einen Nutzen davon haben werden sich reduzieren. Mehr Kosten bedeutet, dass an anderer Stelle eingespart werden muss – zum Beispiel bei der Anzahl der Mitarbeiter.

Sind solche Forderungen in der jetzigen Situation wirklich sinnvoll (dass sie insgesamt gerechtfertigt sind, möchte ich gar nicht in Abrede stellen!). Vielen Eltern entstehen Zusatzkosten durch private Betreuung, die Ver.di völlig egal sind. Den Arbeitgebern dieser Eltern entsteht ebenfalls ein Schaden, der gerade bei kleinen Unternehmen zu erheblichen Kosten führen kann, wenn zum Beispiel Lieferungen nicht erfolgen können, weil der Mitarbeiter zu Hause bleiben muss, um die Kinder zu betreuen.

Für mich ist die Maßnahme von Ver.di ein Akt der Unverantwortlichkeit und der Provokation von einschneidenden Nachteilen für die betroffenen Eltern.

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