Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus …

Vorwort

Lange habe ich überlegt, ob ich über die aktuellen Geschehnisse aus den Kirchen schreibe, oder ob ich mich diesem Boom besser nicht anschließen sollte. Die Entscheidung war nicht einfach: Denkt man an die vielen Opfer, bei denen die schrecklichen Erinnerungen mit jedem Wort der vielen Berichte wieder und wieder aufsteigen und den mühsam errungenen Alltag wieder unmöglich machen, wäre es besser zu schweigen und den Dingen seinen Lauf zu lassen. Auf der anderen Seite wird seit rund 1800 Jahren geschwiegen – nicht nur in der Umwelt der Kirchen. Nein, auch in der Kirche selbst werden Straftaten totgeschwiegen, denn der Zusammenhalt ist wichtiger und keiner möchte den Ungläubigen einen Grund geben, sich möglicher Weise erfolgreich gegen die uralten Institutionen zu stellen.

Auch, wenn die Straftaten, von denen derzeit berichtet wird, nach weltlichem Recht inzwischen überwiegend verjährt sind (wohl der einzige Grund, warum einige der Täter jetzt wenigens teilweise Stellung dazu nehmen), sollte das schamlose, menschenverachtende Treiben der Kirchen, die sich eigentlich für die Menschen handeln sollten, publik werden, damit die Täter wenigstens auf diese Weise durch die Verachtung aus der Öffentlichkeit eine – wenn auch bei weitem nicht angemessene – Strafe erhalten.

Artikel

Wovon sprechen wir im Augenblick eigentlich alle? Wir konzentrieren uns auf die Taten Einzelner an Einzelnen, die durch den Besuch von Vorschulen und Schulen nach dem deutschen Recht als “Schutzbefohlen” zu bezeichnen sind. Das klingt nüchtern und ein wenig reduzierend. Aber eben genau das ist es absolut nicht:

Die Kirchenoberhäupter werden als “Vater” bezeichnet, die Gemeinde als “Kinder”. Das bedeutet, dass die Kirche (angeblich) nicht nur die Schulkinder, sondern die ganze Kirchengemeinde mit allen Kindern, aber auch allen Jugendlichen und Heranwachsenden als ihre Schutzbefohlenen empfinden muss. Natürlich zeigt sich bei den Schülern (zuletzt von den Regensburger Domspatzen detailliert bekannt geworden), dass Väter gegenüber ihren Kindern natürlich auch erziehungsberechtigt sind. Das Erziehungsmethoden dem Wandel der Zeit unterliegen, noch vor 50 Jahren ohnehin die körperliche Züchtigung üblich war und die Kirchen sich in ihrer immensen Ausbreitung langsamer einem Wandel anpassen, ist eigentlich die beste Rechtfertigung – zumindest für die Pastoren und Prister des “alten Schlages”. Selbstverständlich ist die Entwicklung der Gesellschaft mit all ihren neu errungenen Freiheiten – ob dies die sexuellen Freiheiten sind oder die des freien Willens und der Meinungsäußerung – aus den Augen der Kirchen die vollkommen falsche Richtung und als extrem verwerflich zu bewerten. Wenn jeder selbstständig denken darf, wer sucht dann noch die vergebende Hand der Kirche? Also sollte die Modernisierung der Kirche zusätzlich verlangsamt werden, damit die Gesellschaft ausreichend Zeit hat, ihren Fehler zu erkennen und zu den alten Werten zurückzukehren.

Aber was sind denn diese alten Werte? Was für ein Verhalten wird denn von der Kirche “gepredigt” – und was geschieht, wenn man von der Norm abweicht (ein Fehler, der natürlich nur Nicht-Kirchenmitgliedern unterlaufen kann)?

Nun, für diese alten Werte gibt es ein (Straf-)Gesetzbuch, in dem geschrieben steht, was man nicht machen darf und was die Strafen sein sollen. Und diese Gesetze stehen in Kirchengesetzen, anderen Kirchendokumenten und … und dem “Haupt-Gesetzbuch” – bzw. der Interpretation und Übersetzung dessen: Der Bibel, oder besser: dem alten Testament, das von der katholischen Kirche als unumstößlich bezeichnet wird:  »Das Alte Testament ist ein Teil der Heiligen Schrift, der nie aufgegeben werden kann. Seine Bücher sind von Gott inspiriert und behalten einen bleibenden Wert, denn der Alte Bund ist nie widerrufen worden.« (aktueller Katholischer Katechismus, 1993)

Das klingt erst einmal unlogisch, denn Gott – immerhin der “Hauptdarsteller” im alten Testament – beschützt doch seine Schäflein. Schon Adam und Eva hat er ein Feigenblatt verpasst, damit keiner falsche Gelüste bekommt … Gott sorgt für alle und achtet darauf, dass alle(s) wächst und gedeiht … wie passt das denn mit dem Verhalten der Kirche in den vergangenen knapp 2000 Jahren zusammen?

Wenn man sich die richtigen Stellen in der Bibel heraussucht, sie vom Recht des Satzes oder Absatzes trennt und mit der richtigen Betonung frei interpretiert sonntags von der Kanzel schreit, hört sich das nicht nach behüten, sondern nach gewaltsamer Verteidigung der Kirche an:

Ehebruch -> Todesstrafe für Ehebrecher samt Ehebrecherin
“bei verheirateter Frau liegen” -> Todesstrafe für beide
Gehorsam ggü. Priestern oder Richtern verweigern -> Todesstrafe
Zärtlichkeiten zwischen Jungfrau und anderem Mann als dem Verlobten -> Steinigung für beide bis zum Tode
Nicht gehorsamer Sohn -> Steinigung des Vaters oder Sohnes zum Tode (ist nicht deutlich)
Personen aus denen andere Geister sprechen -> Steinigung bis zum Tode
Wird eine Priestertochter zur Dirne -> Tod durch Verbrennung
Verfluchen von Vater/Mutter -> Todesstrafe
Beischlaf während der Menstruation -> Beider werden aus ihrem Volk “ausgemerzt
Homosexualität = Greueltat -> Todesstrafe für beide
Sehen Geschwister gegenseitig ihre Geschlechtsorgane -> beider aus dem Volk “ausmerzen

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt, der sich bei Moses finden lässt. Nicht weniger drastisch waren die Vorschläge und Aussagen von Martin Luther – um beiden großen Kirchen hier eine gewisse Gleichbehandlung zukommen zu lassen sei erwähnt, dass er den Tod von Türken, Bauern, Huren, Andersgläubigen und die unbarmherzige Verfolgung der Juden forderte und auch gleich einen Plan dazu mitlieferte.

Nun, und wer dieses Gedankengut nicht teilen wollte, dem kamen dann in der kirchlichen Ausbildung entsprechende Erziehungsmaßnahmen zu, die auf Dauer jeden dazu ermutigen, seine Meinung zu ändern.

Im 20. Jahrhundert wurde es für die Kirchen immer schwieriger, diese Art von “Rechtsprechung” umzusetzen. Also blieb den “armen” Kirchen nichts anderes übrig, sich auf die Maßnahmen zu beschränken, die weniger “öffentlichkeitswirksam” waren als Inquisition oder Hexenverbrennung. Die strenge Erziehung innerhalb der eigenen Mauern – oder “verbundenen Unternehmen, die man sogar im schlimmsten Falle abstoßen kann, um sich von den Maßnahmen offiziell zu distanzieren – blieben die wenigen Möglichkeiten, die eigene Macht auszuüben. Die Mauern waren hoch und dick, die Kirche immer verschwiegener und die Maßnahmen so geschickt, dass die Opfer sich aus Scham nicht trauten, ihr Erlebtes außerhalb dieser Mauern publik zu machen. Gerade Kindern ist es leicht zu erklären, dass sie selbst die Schuld an den Mißhandlungen tragen, was es noch schwerer macht, die Opfer zu finden.

Hinzu kommt, dass die Kirche selbst so blind und ihrer Lehre hörig ist, dass die Herren und Damen vermutlich ernsthaft glauben, dass sie mit all dem nur versuchen, jeden Schaden von der Kirche fern zu halten – erst mit den körperlichen Strafen für angebliches Fehlverhalten, später mit dem Schweigen, um weltliche Strafen und negative Presse zu vermeiden.

Hier im aufgeklärten Europa ist es nicht leicht, Informationen von Opfern zu bekommen und diese dann strafrechtlich gegen Mitglieder der Kirche oder gegen diese Institution selbst zu nutzen.
Aber denken wir doch mal weiter und schauen in den übrigen Einflussbereich der Kirche: Was geschieht eigentlich in den ärmeren Ländern im Süden Amerikas oder in Arfika, in denen denen sich Kirche der “armen Kinder an nimmt” – wieviele Kinder “nehmen” sie sich denn dort? In diesen Ländern ist der gesellschaftliche Unterschied zwischen Pastoren/Priestern und den zum Teil Hunger leidenden Bevölkerung so groß und der Wunsch der Eltern nach einem gesicherten Überleben ihrer Kinder so groß, dass die Kirche alle Macht in sich vereinen kann. Dort wird mich absoluter Sicherheit kein Kind – auch nicht im Erwachsenenalter – auch nur irgend ein negatives Wort über die Kirche verlieren.

Die einzige Forderung aus humanitärer Sicht kann nur sein, hier in Deutschland alle Fälle von Mißhandlung (welcher Art auch immer) aufzuklären, und danach in alle Welt zu gehen und mit Hilfe von Menschenrechtskommissionen die Aktivitäten der Kirche in jedem Land dieser Erde genauestens zu untersuchen.

So lange die Kirche hohe Mauern hat und die Öffentlichkeit mit kleinen Opferlämmern abspeisen kann, hat die Menschlichkeit verloren – gegen eine Kirche, die eigentlich von Gott für die Menschen sein sollte, aber offensichtlich nur von machthungrigen Menschen gegen Menschen geführt wird.

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