PID – Fluch oder Segen?

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) steht heute vor “Gericht” – es soll heute im Bundestag entschieden werden, ob dieses Verfahren zugelassen oder verboten werden soll.

Grundsätzlich geht es erst einmal darum, ob die nach einer künstliche Befruchtung entstandenen und für das Implantieren vorgesehenen Embryonen noch vor der Implantation auf Erbkrankheiten oder Behinderungen untersucht werden dürfen. Je nach Ergebnis dieser Untersuchung würden dann nur die gesunde Embryonen in den Mutterleib eingesetzt.

Natürlich sollte jedes Leben geschützt werden Das steht außer Frage. Wann und wo “Leben” beginnt ist und bleibt wohl eine Streitfrage, bei der alle Seiten gute Argumente vorweisen.

Wirklich zum Nachdenken hat mich aber ein Interview mit einem Behinderten jungen Mann gebracht, dass ich heute Morgen im ARD Frühstücksfernsehen verfolgen konnte. Dieser Junge Mensch hat sich trotz seiner Behinderung in seinem Umfeld enorm etabliert. Dennoch würde er alles dafür machen, um kein behindertes Kind in diese Welt zu setzen.

Eine weitere Betrachtung ist die aktuelle Situation der älteren Paare wert, denen ja immerhin sogar empfohlen wird, in der frühen Schwangerschaft bereits untersuchen zu lassen, ob das Kind behindert oder mit Erbkrankheiten belastet sein könnte, um Komplikationen zu vermeiden. Natürlich beginnt nach der Untersuchung kein Automatismus, falls sich mögliche Behinderungen herausstellen, aber der Grund für diese Empfehlung ist eindeutig.

Die letzte Betrachtung, die ich anbringen möchte ist, ob man heute tatsächlich ruhigen Gewissens ein behindertes Kind in die Welt setzen darf. Noch immer sind die behinderten Mitmenschen Außenseiter – von der ersten Kinderbetreuung bis zum Tode haben sie mit Vorurteilen und Problemen zu kämpfen. Noch immer beleibt ihnen der Zugang zu vielen Dingen verwehrt, ob dies durch die fehlende Barrierefreiheit, also baulicher Natur ist, oder aber weil sie die teilweise unsinnigen Voraussetzungen nicht erfüllen. Noch immer zahlen die meisten Unternehmen lieber eine Strafe, als die Mindestzahl Behinderter Menschen einzustellen.

Muss man es wirklich dem Zufall überlassen, ob man einen Menschen in diese Welt gebärt, der sein Leben lang von anderen abhängig ist? Ist das nicht auch eine Anmaßung, für dieses gerade entstehende Leben eine solche dramatische Entscheidung zu treffen. Aber ist es nicht noch schlimmer, per jedem Einzelnen diese Entscheidung zu verwehren?

Viele Eltern haben ihre liebe Mühe mit kerngesunden Kindern. Aber wären nicht viele Eltern überfordert, gäbe es nicht die Möglichkeit frühzeitig festzustellen, ob das künftige Kind behindert sein könnte? Die Entscheidung diese Schwangerschaft abzubrechen dürfte niemandem leicht fallen, aber sollte die Möglichkeit nicht auch schon vor der Schwangerschaft, so zu sagen im Reagenzglas bestehen? Wenn diese Möglichkeit verboten wird, dann dürften die Eltern, die die Gewissheit haben möchten, mit einer hohen Chance ein gesundes Kind zu bekommen, wenige Wochen später die entsprechenden Untersuchungen machen lassen. Und dann wird oft das gleiche Ergebnis entstehen: Das Kind wird nicht geboren werden.

ich halte es für absolut nicht richtig, diese Entscheidung per Gesetz verbieten zu wollen. Jeder sollte dies für sich selbst entscheiden, ob aus persönlichen oder religiösen Gründen.

Vielleicht bedeutet diese Entscheidung für oder gegen das nicht gesunde Leben viel mehr Respekt vor der Würde des Menschen, als eine Gesetzesvorlage zu diesem Thema. Denn es geht auch darum, ob dieser wachsende Mensch in Würde leben können wird …

 

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