Der Eisberg

Nun rückt mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens von (Aa2 auf A2 durch Moody’s am gestrigen Dienstag in den USA) wieder ein europäischer Staat in den engeren Blickwinkel der Staaten, die möglicherweise mit Geldmitteln unterstützt werden müssen.

Griechenland erfüllt die auferlegten Anforderungen hinsichtlich des Sparkurses nicht (oder: kann dies nicht schaffen) und die Bevölkerung steckt streikend den Kopf in den Sand – was angesichts sinkender Gehälter und steigender Preise nur zu verständlich ist, wie auch immer die Vergangenheit ausgesehen haben mag. Auch die Diskussion eines Schuldenschnitts gerät immer häufiger in den Fokus, was Ottonormalverbraucher auch gut nachvollziehen kann, denn selbst die massiven Geldinjektionen scheinen ihre Wirkung völlig zu verfehlen.

Doch am Ende stellt sich die Frage: Was kommt danach?
“Danach” soll heißen, nach einem Schuldenschnitt, dem teilweisen Erlass der Schulden z.B. Griechenlands gegenüber hauptsächlich der EU-Länder. Vereinfacht wäre es so vorzustellen, dass die Schulden Griechenlands und evt. weiterer Länder wie Italiens den Teil des Eisberges ausmachen, der über der Wasseroberfläche schwimmt und durch Schuldenschnitt schmilzt und möglicherweise irgendwann ganz verschwunden ist. Doch was ist mit dem riesigen Berg an Schulden, mit dem Griechenland vorher über Wasser gehalten wurde? Dieser Berg schwimmt unter der Oberfläche weiter und wird – ohne jede Chance jemals durch die Verursacher abgebaut zu werden – durch die Zinsen auch noch größer.

Es werden also die Griechen in so fern entlastet, als dass sie eine Möglichkeit bekommen könnten, “von vorne” mit einer deutlich geringeren Altlast zu beginnen, während die Geldgeber-Länder auf dem Scherbenhaufen ihrer Wohltat sitzen bleiben und im schlimmsten Fall ihren Einwohnern noch deutlich härtere Sparmaßnahmen zumuten müssen, als die Empfängerländer. Es wäre also möglich, dass die Enkelkinder in Griechenland über die Nachbarn ihrer Generation lachen, weil es ihnen gut geht, während die deutschen und französischen Enkelkinder unter der Steuerlast und den hohen Preisen zusammenbrechen, die Renten ihrer Eltern vollständig aus ihrem Privatvermögen zahlen müssen und sich kein Auto mehr leisten können, weil die Straßenmaut wegen der immensen Haushaltslöcher unausweichlich ist.

Kann denn das richtig sein? Ist es dann nicht völlig klar, dass bei den deutschen ein absolutes Unverständnis herrscht, dass diejenigen, die von ihnen das Geld praktisch ohne jede Gegenleistung erhalten auch noch streiken und damit die Situation verschärfen? Uns wird niemand helfen, wenn es mal notwendig sein sollte – einerseits, weil die anderen Länder gar kein Geld dafür haben oder bekommen würden, und andererseits, weil dann wieder auf die deutsche Geschichte und die Erbschuld verwiesen wird, die Deutschland scheinbar niemals abbezahlen werden kann.

Der deutsche Eisberg wird weiter schwimmen … aber es ist zu befürchten, dass ihm das Wasser bis zum Halse stehen wird …

 

Schreibe einen Kommentar