Parlamentswahlen in Polen – unschöne Stimmenjagd

Ganz von den Meldungen über den Euro, Griechenland oder auch den Tod von Steve Jobs verdrängt, sind kaum Nachrichten über die am 9. Oktober 2011 anstehende Parlamentswahl in Polen zu finden. Dies ist besonders deshalb erstaunlich, weil die Werbekampagnen der Kandidaten eine Bandbreite von pseudo-erotisch bis potentiell kriegshetzerisch aufweisen – und das kann einem schon beinahe mehr Angst machen, als ein versinkendes Griechenland.

Einen recht lustigen, aber sicherlich alles andere als angebrachten Beitrag leistete die 23-jährige Kandidatin Katarzyna Lenart (oppositionelle Sozialdemokraten (SLD)). Sie zeigt einen kleinen Internet-Strip , der jedoch noch vor dem Öffnen des BH endet. Es wird dann eine “zensiert”-Schrift überblendet und der Hinweis, dass es nach der erfolgreichen Wahl mehr geben würde. Ob damit tatsächlich die Fortsetzung ihrer öffentlichen Darstellung gemeint ist, wird natürlich offen gelassen.
Mit ihrem Werbespot ist Frau Lenart allerdings nicht nur bei anderen politischen Parteien, sondern auch in den eigenen Reihen auf heftige Kritik gestoßen denn solche Werbeclips “sollte es nicht geben”.

Viel kritischer als der Spot des Schmunzelhase “Lenart” sind allerdings die um Stimmen werbenden Meinungsäußerungen von Jarosław Kaczyński, dem Parteichef der Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Dieser äußert sich in einer regelrecht hetzerischen Art und Weise über Deutschland und Angela Merkel in Person, dass seine Beträge an deie Zeit des kalten Krieg erinnern können. So ist er von Verschwörungen überzeugt, die Angela Merkel an die Macht kommen ließen (“Ich glaube nicht, dass die Kanzlerschaft Angela Merkels das Ergebnis eines reinen Zufalls war”, wie er in seinem neuen Buch “Das Polen unserer Träume” schreibt) und straft deutsche Journalisten und deren Fragen zu diesem Thema ab, in dem er sie öffentlich fragt, ob sie für einen  deutschen oder polnischen Sender arbeiten würden. Eine Drohung mit rechtlichen Schritten (wie und weshalb auch immer, lässt er unbeantwortet) gegen Deutschland, Frau Merkel und die Journalisten setzt diesem scheinbar in der dunklen Phase der europäischen Vergangenheit stehen gebliebenen Clown mit etwas zu gering geratener Körpergröße dann noch die Krone auf.

Nicht wirklich beruhigend, aber immerhin beschwichtigend kommentierte Jarosław Kurski, der Redakteur bei der Gazeta Wyborcza, es sei “nicht das erste Mal, dass Jarosław Kaczyński die Karte der Deutschfeindlichkeit ausspielt”. Und offensichtlich ist er damit – zum Glück – nicht wirklich erfolgreich. Bleibt zu hoffen, dass auch dieses Mal der Erfolg ausbleibt und sich die Wähler nicht von solch absurden Geschwätz blenden lassen.

 

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