Lidl im Visier der Datenschützer

Bereits im September 2005 war Lidl durch die vin Ver.di initiierte “Lidl-Kundenwoche” aufgefallen, in der die Kunden der Discounter-Kette auf die Missstände aufmerksam zu machen, die hinsichtlich der Behandlung der Mitarbeiter bei Lidl herrschen. Laut Ver.di ging Lidl damals sogar so weit, dass Mitarbeitern, die sich für die Rechte für sich und Kollegen einsetzten gekündigt wurde. So konnte die Zahl der Betriebsratsmitglieder bei Lidl auf einem Minimum gehalten werden.

Nun zeicht sich eine ganz andere Qualität, die Mitarbeiter in Ihren Rechten zu beschneiden: Lidl überwacht die Mitarbeiter mit Kamaras und Mikrofonen.
Natürlich: auch andere Ladengeschäfte setzen Kamaras ein, aber muss das denn auch auf der Mitarbeiter-Toilette sein?
Klar: Es soll Diebstahl vermieden werden. Aber warum findet sich in den zu den Aufzeichnungen gehörigen Protokollen dann Kommentare wie: “Frau N. ist an den Unterarmen tätowiert …. Man sollte Frau N. anweisen, die Unterarme während der Arbeitszeit, besonders an der Kasse, bedeckt zu halten.”
In anderen Aufzeichnungen wird wiedergegeben, was eine Mitarbeiterin mit Ihrem Freund am Telefon bespricht, usw. (Eine umfangreiche Sammlung dieser Protokoll-Zitate ist bei Stern und im Stern 14/2008 nach zu lesen.)

Stern 14/2008 - Copyright Gruner&Jahr

Heute, einen Tag nach der ersten Information übder diese massive Überwachung ist im Rundfunk von ehemaligen Lidl-Mitarbeitern ähnliches zu hören. Außerdem berichten diese auch von “schwarzen Limousinen, die direkt nach Ladenschluss nicht nur die Filiale, was ja noch vertretbar wäre, sondern auch die Privat-PKW der Mitarbeiter kontrollieren, was ganz gravierend gegen jegliche gesetzliche Regelung verstößt.

Es wäre doch mal interessant, diese “big-brother-Mentalität” des Konzerns auf ALLE Mitarbeiter aus zu weiten und die Überwachung der Konzernspitze als WebCam-Feed im Internet zu veröffentlichen – ich bin sicher, im Sinne der Unternehmensstrategie wären alle Manager von Lidl selbstverständlich einverstanden damit. In Verbindung damit wäre auch eine Veröffentlichung des Kaufverhaltens dieser Manager interessant, um deutlich zu machen, was diese mit Ihren zweifelhaften Methoden verdienen und wie sie es ausgeben – doch bestimmt in Lidl-Fillialen …?!)

Sind denn das Dritte Reich und die DDR schon so stark aus den Gehirnen verblasst, dass deren Methoden derart massiv eingesetzt und den “eleganten” Methoden, wie “Mitarbeiter-Motivation” u.Ä. vorgezogen werden?

Hier muss eine vollständige Klärung seitens des Datenschutzes und der Staatsanwaltschaft erfolgen. Ausreichendes öffentliches Interesse sollte bei einer derartigen Verletzung der persönlichen Rechte in jedem Fall vorliegen, so dass die Staatsanwaltschaft hier selbstständig aktiv werden kann.
Vielleicht sollte auch bedacht werden, dass bei dem deutschen Lidl-Management Fluchtgefahr bestehen könnte, da die Anschuldigungen massiv sind und die Arbeitsplätze solcher Herrschaften schnell mal eben ins Ausland verschoben werden könnten.

Heute kommentiert Lidl die Vorwürfe als teilweise korrekt (sie hatten vermutlich bisher keine Zeit, alles zu lesen …) und entschuldigen sich bei den “betroffenen Mitarbeitern”. Es ist kaum zu glauben: sie entschuldigen sich – und glauben vermutlich, damit sei alles gesagt und getan.
Dabei darf es nicht bleiben. Bis zur letzten Kamera und zum letten Mikrofon muss das aufgeklärt werden; Die Mitarbeiter jeder Filiale müssen darüber in Kenntnis gesetzt werden, wo sich welches Überwachungsinstrument befindet und vor allem: Eine neutrale Stelle muss die Personalakten mit den Überwachungsprotokollen vergleichen, um fest zu stellen, in wie weit diese Informationen zum Nachteil der Mitarbeiter genutzt wurden.

Also ich werde nicht mehr bei Lidl einkaufen – zumindest nicht, so lange diese Affäre nicht vollständig vom Tisch ist und die Mitarbeiter entschädigt wurden, die bereits einen direkten Schaden erlitten haben.

Wir bleiben dran, Lidl. Seid sicher!

Das könnte Dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar