Studiengebühren vs “Ingenieurlücke”

Ist es nicht schön, dass Universitäten nun mit den eingenommenen Studiengebühren (je nach Bundesland bis zu 900 Euro pro Semester, also für ein Jahr maximal 1800 Euro) ihre Gebäude sanieren und vielleicht einige Hilfskräfte mehr einstellen können?

Ist es nicht ein anmaßendes Elite-Denken, denen das Studium unmöglich zu machen, die sich die Studiengebühren von Haus aus nicht leisten können?

Ist es nicht traurig, dass in Deutschland durchschnittlich 70.000 Ingenieure fehlen, um die offenen Stellen für die diese Qualifikation erforderlich ist, zu besetzen?

Ist es nicht paradox, dass durch die nicht besetzbaren Stellen ein volkswirtschaftlicher Schaden von jährlich mehr als 7 Milliarden Euro entstehen?

Diesen 7 Milliarden Euro stehen – einfach mal genau gerechnet 70.000 * 1.800 Euro Studiengebühren entgegen, also 126 Millionen Euro. Logisch überlegt wäre es also sinnvoller, 126 Mio. Euro weniger einzunehmen und statt dessen 6,8 Milliarden Euro “weniger Schaden” zu verursachen.

Gibt es da nicht eine Möglichkeit, die volkswirtschaftlich sinnvoller ist? So könnten zum Beispiel die Unternehmen, die von Akademikern als Angestellte abhängig sind, die Studiengebühren tragen, um so für den eigenen Nachwuchs zu sorgen – die Unternehmen, die eher von Ausbildungsberufen abhängig sind, müssen dafür ja auch permanent in die Ansbildung neuer Mitarbeiter investieren…

Warum wird in Deutschland eigentlich kein Modell “Unternehmens-betreutes Studium” angestrebt, in dem die Studenten Angestellte der Unternehmen sind, die Studiengebühr durch die Unternehmen entrichtet wird und die Studenten ein zusätzliches, wenn auch sehr geringes Gehalt erhalten? So etwas könnte man zum Beispiel nach dem 3. Semester einführen, damit die Unternehmen zumindest von dem Studien-Willen überzeugt werden und Praktika, Hausarbeiten und Abschlußarbeiten in Ruhe mit dem Unternehmen vorbereitet werden können.

So langsam wird in Deutschland das kreative Denken mal wieder gebraucht. Bei materiellen Gütern investieren Unternehmen doch auch langfristig – warum nicht auch in ihre Mitarbeiter?

“Pisa” ist nur die Spitze des Eisberges, denn wir haben nun Jahrzehnte lang einen Dornröschenschlaf gehalten und werden nun von Ländern wie Indien und China wachgeküsst – un dieser Kuss bedeutet die schnelle Reise von einer Erfolgswirtschaft mit technischem Vorsprung hin zu einer hilflosen, reaktiven Wirtschaft, in der die Industrie kränkelt und der möglicher Weise rettende Nachwuchs mit innovativen Ideen wie Unkraut möglichst klein gehalten wird.

Armes Deutschland …

 

Keine Antworten

  1. 4. Juni 2008

    […] Studiengebühren vs “Ingenieurlücke” […]

Schreibe einen Kommentar