Feiertagsgesetz und Tanzverbot

In dieser Woche ist Karfreitag. Der Tag, an dem sich ale Arbeitnehmer erst einmal über einen freien Tag freuen, ist der Freitag vor Ostern und Christen gedenken an diesem Tag des Kreuzestodes Jesu Christi.

An diesem Tag, der auch “Hoher” oder „Stiller“ genannt wird, sind in Deutschland verschiedene öffentliche Veranstaltungen nicht gestattet. Dazu zählen Musik- und Tanzveranstaltungen sowie Sportveranstaltungen. Bei Theateraufführungen dürfen keine Kommödien also keine durchweg lustigen Stücke aufgeführt werden. Auch Kirmesveranstaltungen bleiben üblicherweise an diesem Tag geschlossen oder Tonlos, also ohne Musik und Tonkulisse der Fahrgeschäfte.

Hier ein Auszug aus dem niedersächsischen Feiertagsgesetz:

§6 (1) Am Karfreitag sind zusätzlich verboten:

  1. Veranstaltungen in Räumen mit Schankbetrieb, die über den Schank- und Speisebetrieb hinausgehen;
  2. öffentliche sportliche Veranstaltungen;
  3. alle sonstigen öffentlichen Veranstaltungen, außer wenn sie der geistig-seelischen Erhebung oder einem höheren Interesse der Kunst, Wissenschaft oder Volksbildung dienen und auf den ernsten Charakter des Tages Rücksicht nehmen.

Nicht-Christen kritisieren seit Jahren diese Verbote besonders im Hinblick auf die Religionsfreiheit und die extreme Beeinträchtigung in der Wahl der Freizeitbeschäftigung an diesem einen der wenigen allgemeinen Feiertage in Deutschland.

Die christlichen Kirchen, die scheinbar immer von Tanzveranstaltungen im Freien ausgehen, begründen die Notwendigkeit des Erhaltes dieser Verbote damit, dass öffentlicher Tanz ohne Beeinträchtigung der Nachbarn nicht möglich sei. Daher würden die Kirchen Rücksichtnahme auf den stillen Charakter des Karfreitags erwarten.

Aus Sicht vieler Kritiker ist dies ein Paradoxon: Am Karfreitag “erwartet” die Kirchen Rücksichtnahme und Stille in Deutschland. An normalen Sonntagen, wenn viele Arbeitnehmer ausschlafen möchten “erwartet” die Kirche Verständnis für das laute Glockenläuten, das vielerorts jeden mit noch so gutem Schlaf aus der Traumwelt reißt.

Zum, Glück darf das bundesweite Tanzverbot von den Ländern und/oder Gemeinden separat geregelt werden. Wird es durchgesetzt, so muss bei Verstoßen gegen das Verbot mit Bußgeldern gerechnet werden. In manchen Gemeinden wird es jedoch nicht angewandt und z.B. Diskotheken bleiben an diesem Tag geöffnet. Nur in Bayern ist es den Gemeinden nicht erlaubt für den Karfreitag Befreiungen von den Verboten des Gesetzes über den Schutz der Sonn- und Feiertage erteilen – was mittlerweile für allen anderen Sonn-, Feier- und stillen Tage möglich ist.

In diesem Jahr ist zwischen FDP und CSU wieder ein Streit um das bayrische Feiertagsgesetz entstanden. Die FDP hält die bestehenden Verbote für nicht mehr zeitgemäß und  will auch an Karfreitag und Totensonntag Diskotheken offen halten. Wie zu erwarten sträuben sich die CSU und die Kirchen mit aller Kraft dagegen, denn “es ist für die Gesellschaft nur richtig und gut, wenn es ruhige Tage gibt, an denen sich die Menschen auf innere Werte besinnen”.

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